Fahrräder, die lautlosen Killer. Sie versetzen die Menschen in Angst und Schrecken. Lautlos schleichen sie sich von hinten an, man hört sie nicht, man sieht sie nicht, erst wenn der Lufthauch des Todes den ahnungslosen Passanten streift, ist er sich der Gefahr bewusst – und dann ist es schon zu spät. Dann ist der Fahrradfahrer mit seinem Höllengefährt schon vorbei und weg. Verschwindet in der nahen Ferne so spurlos, wie er gekommen ist. Selten in einer Rauchwolke.

Fahrräder – seit Jahrhunderten terrorisieren sie den Straßenverkehr. Schon Leonardo da Vinci fertigte Aufzeichnungen über sie an. Um die Gefahr einzudämmen, entwarf er Drahtesel ohne Bremse – vergeblich. Er starb, ehe sie sich durchsetzen konnten. Die Fahrräder siegten. Auch in den Zeitaltern danach war ihr Siegeszug nicht aufzuhalten. Sie breiteten sich schneller und weiter aus als die Pest. Heute findet man sie in jeder Straße, an jedem Haus, Schandmale und Flecken dokumentieren den schleichenden Verfall der Sitten im Straßenverkehr.

Wer sind diese Fahrräder? Woher kommen sie? Um ihnen auf die Schliche zu kommen, muss man in den alten Texten suchen. Aber weder die Illuminaten, noch die Rosenkreuzer oder die Freimaurer trauten sich, sie in ihren Schriften zu erwähnen. Fündig wird man erst in einem Werk mit den lateinischen Buchstaben S T V O. Dort wird der Umgang mit ihnen beschrieben und auch die Vorsichtsmaßnahmen, die man ergreifen muss. Unter anderem heißt es dort: „Halte Abstand von ihnen, mindestens eineinhalb Meter, dann können sie dir nichts anhaben; achte auf ihre Markierungen; Fahrräder folgen speziellen Leitlinien, genauso wie Zugvögel. Du erkennst diese Linien an dem auf ihnen abgebildeten Fahrradskelett. (Makaber, aber hilfreich) Merkst du, dass du eine dieser Linien kreuzt, fliehe!, verlasse sie sofort, ist es zu spät und ein Fahrrad hat sich dir genährt und bellt mit lautem Gebimmel, beschimpfe es nicht, bedrohe es nicht, greife es nicht an. Halte Augenkontakt und gehe zügig und ohne überflüssige Bewegung zur Seite, du Wurm!“ nicht wörtlich.

Aber alle Vorsichtsmaßnahmen helfen nicht, wenn das Fahrrad durchdreht. Wenn es seinen Menschen in halsbrecherischen Manövern abzuwerfen sucht, ohne ihm die Zeit zum Schulterblick zu geben, wild die Fahrbahnen kreuzt, vor mit quietschenden Reifen abbremsende Autos galoppiert und offensichtlich farbenblind auf keinerlei Ampelanzeige reagiert. Es schmerzt mich, an all die vielen Seelen zu denken, die auf diese Weise von uns gegangen sind.

Das Rätsel um den Ursprung der Bösartigkeit der Zweiräder ist bis heute ungeklärt. Es ergeben sich nur manchmal Merkwürdigkeiten, für die die Menschheit noch keine Erklärung hat. So fand ich neulich eine Fahrradleiche, die ich kannte. Sie hatte mir schon mehrmals die Vorfahrt genommen und ihren Menschen in kopflose Manöver sondergleichen gestürzt. Nun lag sie da am Straßenrand. Leblos. Ich nahm einen Stock und stupste sie an, um mich zu vergewissern, dass keine Gefahr mehr von ihr drohte, aber sie war tot. Ich dankte still dem Himmel.

Ein paar Tage später jedoch, sah ich ihren Menschen, den ich verloren geglaubt hatte. Ein Auto hatte ihn gefressen und dieses Auto nahm mir gerade die Vorfahrt, nur um gleich danach mit überhöhter Geschwindigkeit über eine schon lange rote Ampel zu fahren.

Ich wurde bleich. Hatte das Fahrrad seine Bösartigkeit über den Menschen auf das Auto übertragen? Droht uns der Untergang des Straßenverkehrs? Wenn sich jetzt Unsitten der Fahrradfahrer auf die Autofahrer übertragen, die doch bisher alle so vorbildlich fahren, was blüht uns dann? Wie zur Antwort sah ich darauf einen Fahrradfahrer, der sich doch tatsächlich an die Verkehrsregeln hielt und einen Autofahrer, der nicht versuchte ihn zu töten und da wurde mir klar: Fahrräder sind nicht scheiße. Menschen sind scheiße. Und Menschen, die scheiße Fahrrad fahren, fahren auch scheiße Auto.

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