“Und was machen wir dann hier? Oder besser: ich?” Er überging die Beleidigung. “Dieser Ort hier existiert nur, weil er sowas wie eine Schnittstelle zwischen den Welten ist.” “Zwischen welchen Welten?” “Zwischen den meisten.” “Aha.” Er seufzte wieder mal geduldig. “Erinnerst du dich an die Tür, die von der Toilette hierher führt?” “Türen. Da waren zwei.” “Exakt, genauso funktioniert das mit den Welten. Du hast ein Tor auf beiden Seiten. Dazwischen ist ein kleiner Streifen Niemandsland. Wie an jeder beliebigen Grenze.” “Und dieser Streifen ist eine Bar?” “Genau. Man muss sich seinen Aufenthalt da ja irgendwie angenehm machen.” Sagte es und nahm einen Schluck. Hatte er nicht gerade erst über Suchties und Zombies doziert? Langsam sickerte die Bedeutung dessen, was er gesagt hatte, durch. “Also, gehen wir von hier aus woanders hin?” “Richtig.” Ich traute mich nicht zu fragen, wohin, denn vermutlich würde es nicht besser werden. Ein eigenartiges Ziehen meldete sich in meinem Nacken. Ähnlich dem Gefühl, beobachtet zu werden, das ich ja nun schon die ganze Zeit hatte, nur stärker. Ich wollte mich umdrehen, aber er sagte hastig: “Sieh nicht hin.” “Zu wem?” Er nickte mit dem Kopf in Richtung einer Gestalt, die zwei Tische hinter mir saß. Im Augenwinkel sah ich, dass der Mann lange Haare hatte, eine große Brille und ein fleckiges, weißes T-Shirt trug. “Das ist ein Seelenfresser. Schau ihm nicht in die Augen, sonst bist du noch ein Stück los und das wird dir bedeutend mehr weh tun.” “Ein Seelenfresser?” “Ja, ein Seelenfresser. Wo es Leben gibt, gibt es Parasiten. Ganz gleich, wie dieses Leben aussieht.” Er machte eine Pause. “Selbst wenn es so aussieht wie du. Gehen wir.” Damit stand er auf und schob seinen Stuhl zurück an den Tisch. “Ohne zu zahlen?” “Ich habe schon für uns gezahlt. Mit dir. Also komm, ehe sie dich hier zu sehr ins Herz schließen.” Eilig stand ich auf und folgte ihm. Natürlich gingen wir wieder zur Toilette. Erst in dem kleinen Flur ließ das Ziehen und Reißen an meinem Körper nach. Es war, wie Ketten abzuwerfen. “Mach dich bereit, wir treffen jetzt Harold.” “Harold?” “Harold.” “Wer ist Harold?” “Der, den wir jetzt treffen. Bereit?” “Keine Ahnung.” “Dann los.” und er stieß die zweite Tür auf und zog mich mit.

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